Industrie 2025


Was geht Industrie 2025 uns an? Sehr viel ...

An der letzten Jahresversammlung des swissT.net tauchte die Frage auf, was denn die Industrie 4.0 – und damit vor allem der bis 2018 befristete Projekt-beitrag für die Initiative Industrie 2025 – gerade den kleineren Mitglieder-Unternehmen bringen soll, vor allem denen, die primär im Handel tätig sind.

Urs Reimann, Geschäftsführer
Initiative «Industrie 2025»

Und ob sie etwas bringt! Beginnen wir doch gleich einmal mit Zahlen: In einer aktuellen Umfrage wollte Swissmem von Firmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) wissen, wie sie mit dem Thema Industrie 4.0 umgehen. 82 Prozent der Betriebe sind überzeugt, dass in der Digitalisierung ein Nutzen liege. 76 Prozent sind sogar schon selber aktiv geworden: Die 373 befragten Firmen haben bereits 1225 Projekte umgesetzt, in Arbeit oder zumindest geplant. Gerade die KMU sind dabei besonders aktiv: Sie sind für 58 Prozent dieser Projekte verantwortlich.

Wichtig ist dabei: Unternehmen, die sich intensiv mit dem Thema Industrie 2025 auseinandersetzen und selber an Produkten und Dienstleistungen arbeiten, die mit Digitalisierung und Industrie 4.0 zu tun haben, sind auch auf Lieferanten angewiesen, die entsprechend denken und handeln können. Auch wenn bei ihnen die Digitalisierung vielleicht auf einer anderen Ebene greift, müssen sie das nötige Verständnis für die neuen Anliegen ihrer Kunden entwickeln und nicht nur auf ihre Wünsche reagieren, sondern sie möglichst früh antizipieren.

Die Digitalisierung betrifft die ganze Wertschöpfungskette

In ihrem letzten Newsletter stellt die von den vier Verbänden swissT.net, Electrosuisse, asut und Swissmem getragene Initiative «Industrie 2025» klar: «Die digitale Transformation ist immer auch eine Transformation des Denkens. Industrie 4.0 ist ein strategischer Weg, den das Management einschlagen muss. Die Geschäftsleitungen brauchen eine übergeordnete digitale Strategie, sie müssen Prozesse, Organisationsform und Businessmodell zukunftsorientiert und optimiert gestalten können. Danach gilt es, die Digitalisierung voran zu treiben, um die relevanten Daten erheben und analysieren zu können. Aus dieser Analyse ergeben sich idealerweise dann neue Ansätze für die Vernetzung der Wertschöpfungskette und den Hierarchieebenen entlang.»

Evolutionäre vs. disruptive Innovation

Ob Produkte, Geschäftsmodelle oder Strukturen: Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass im Zeitalter von Industrie 4.0 die Entwicklungen nicht einfach linear und kontinuierlich verlaufen, sondern dass immer mehr disruptive Innovationen den Markt umkrempeln: Wer beispielsweise vor zehn Jahren angesichts der unzuverlässigen, langsamen Flash-Speicher viel Herzblut und Geld in die Weiterentwicklung von Festplatten investierte, verschlief gleichzeitig eine Technologie, die sich unterdessen je länger, je mehr durchsetzt: Die neuen, kompakten und schnellen Generationen der Flash-Speicher verdrängen heute die Festplatten auf breiter Front.

Prozesse wie diese werden auf breiter Front stattfinden. «Industrie 2025» ist sich sicher: «In zehn Jahren werden Digitalisierung und Vernetzung weit fortgeschritten sein. So etwa die digitale Vernetzung über die Grenzen der Firmen hinaus, zu Lieferanten und Kunden. Auch die Organisationsformen werden sich angepasst haben: Anstelle von vielen Abteilungen mit unterschiedlichen Systemen, Aufträgen und Prioritäten werden sich dynamische und flache Organisationsformen durchsetzen.»

Industrie 2025: konkrete Unterstützung für alle involvierten Unternehmen

Digitalisierung bedeutet also Transformation. Und diese Transformationsprozesse können für ein Unternehmen anspruchsvoll und aufwendig sein. Der Begriff «Industrie 4.0» beinhaltet ein so grosses Spektrum an Themengebieten und Begriffen, dass es vielen Industrieunternehmen schwerfällt, den Überblick nicht zu verlieren. Hier bietet die Plattform Industrie 2025 konkreten Support, beispielsweise indem sie interessierte Firmen mit praxiserfahrenen Experten zusammenbringt, Fachtagungen, Seminare, Workshops organisiert, Informationsmaterial abgibt, gemeinsam mit kompetenten Partnern Arbeitsgruppen einsetzt und Firmen bezüglich ihrer Strategie berät – und zwar massgeschneidert auf ihre eigenen Ziele hin. Das ist wichtig, denn so lange das Thema abstrakt bleibt, fehlt oft auch der Mut zu den nötigen Veränderungen und Investitionen. Dabei ist der Name Programm: bis 2025 sollte der Wandel auf gutem Weg sein.

Nicht den Anschluss verlieren!

Gerade bei Firmen, die eine hohe Technologiedichte haben, sind Automatisierung und damit auch Digitalisierung und Vernetzung notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der industrielle Werkplatz Schweiz muss sich dem digitalen Wandel stellen und eine führende Rolle einnehmen, damit er auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Das gilt vor allem für die produzierende Industrie: Hier sind die Anforderungen aufgrund der eingesetzten Produktionsinfrastruktur oft sehr hoch. Neue, internetfähige Maschinensteuerungen und Komponenten bringen in diesem Umfeld erheblich mehr Möglichkeiten und Tempo.

Aber es geht nicht darum, technische Spielereien auszuprobieren. Das Ziel ist es immer, mithilfe der neuen technologischen Möglichkeiten Verbesserungspotenziale zu realisieren und neue Geschäftsmöglichkeiten im Zusammenspiel von Mensch, Maschine, Organisation, Infrastruktur, Produkt, IT und Prozess zu verwirklichen. Daher sind die Vorarbeit, die Analyse und die Erarbeitung des Gesamtkonzepts sehr wichtig.
Ein Unternehmen sollte erst aktiv mit der digitalen Vernetzung anfangen, wenn Organisation und Prozesse stimmig sind. Dann ist die technische Seite relativ einfach lösbar. Es geht auch nicht darum, alles zu digitalisieren. Aber wer sich nicht aktiv und eingehend mit der Digitalisierung und den Möglichkeiten für sein Unternehmen beschäftigt, wird sich irgendwann auf einem Abstellgleis wiederfinden!

Save the Dates

F&E Konferenz zu Industrie 4.0,  11. Januar 2017, nachmittags,  an der ZHAW in Winterthur
Bereits zum zweiten Mal organisiert die Initiative «Industrie 2025» diese halbtägige F&E Konferenz. Das bewährte Format wird beibehalten: 5-minütige Kurzvorstellungen von Hochschulprojekten (ca. 35) mit begleitender Poster-Ausstellung. Der Besucher erhält einen breiten Überblick, was aktuell an den Hochschulen geforscht und entwickelt wird und kann sich direkt mit den Referenten austauschen. Sobald das Programm steht, wird es auf der Webseite von Industrie 2025 veröffentlicht.

Vierte Fachveranstaltung zu  Industrie 4.0, 30. März 2017, an der FHNW Brugg-Windisch
Die vierte Durchführung der ganztägigen Fachtagung Industrie 2025 findet schon fast traditionell an der FHNW in Brugg-Windisch statt. Wiederum ist die Veranstaltung geprägt von vielen Praxisbeispielen sowie einer umfangreichen Ausstellung von Lösungsanbietern; ein idealer Nährboden für neue Kontakte und Inspiration für zukünftige Vorhaben. Reservieren Sie sich deshalb das Datum vom 30. März 2017. Sobald das Programm steht, wird es auf der Webseite von Industrie 2025 veröffentlicht.

www.industrie2025.ch