Swiss Innovation Park


Ein nationaler Park, in dem Innovation wächst

Für das Projekt des nationalen Innovationsparks spannen Bund, Kantone, Wirtschaft und Wissenschaft seit Jahren zusammen: Voraussichtlich ab 2016 werden an verschiedenen Standorten in der Schweiz Hot-Spots mit fruchtbarem Nährboden für Forschung und Entwicklung geschaffen. Noch sind nicht alle Hürden überwunden – aber die Zeichen stehen gut.

Swiss Innovation Park - SIP
Erste Visualisierungen des Standortträgers Nordwestschweiz mit einem Schwerpunkt in Allschwil BL.

Innovative Ideen sind für eine erfolgreiche Schweiz von zentraler Bedeutung – gerade im technologischen Umfeld, in dem sich die swissT.net-Mitglieder bewegen. Auch wenn sich unser Land bislang in sämtlichen Innovations-Rankings auf den vordersten Rängen behaupten kann, gilt es diese Position zu verteidigen und auszubauen. Seit vielen Jahren wird dafür am Konzept eines Swiss Innovation Park gearbeitet. 2006 hatte Nationalrat Ruedi Noser die Idee des Innovationsparks erstmals auf das politische Parkett gebracht – seither setzt sich der FDP-Politiker und Unternehmer unermüdlich für die Weiterentwicklung ein (siehe Interview).

Hot-Spots für Forschung und Entwicklung

Mit dem Konzept des Swiss Innovation Park wollen Bund, Kantone, Wissenschaft und Wirtschaft die Innovationskraft der Schweiz im internationalen Wettbewerb der Standorte voll ausschöpfen. Verteilt über die ganze Schweiz werden grosse, entwicklungsfähige Areale in der Nähe führender Hochschulen für die Ansiedlung von Forschungsinfrastrukturen international tätiger Unternehmen bereitgestellt. Es entstehen regional verankerte Hot-Spots industrieller Forschung und Entwicklung, die sowohl für die forschungsintensive Industrie und Wissenschaft als auch für kleine und mittlere Unternehmungen im regionalen Umfeld interessant sein sollen.

Swiss Innovation Park - innovAARE
Im Park innovAARE, direkt beim Paul Scherrer Institut in Villigen, trifft Spitzenforschung auf Unternehmertum.

Starttermin steht

Starttermin für das Grossprojekt ist der 1. Januar 2016. Gestartet wird mit zwei Hubstandorten im Umfeld der beiden ETH in Lausanne und Zürich. Letzterer ist auf dem Flugplatzareal in Dübendorf geplant. Zusätzlich zu den Hubstandorten sind zwei Netzwerkstandorte im Kanton Aargau (Park innovAARE beim Paul Scherrer Institut) und in der Region Nordwestschweiz (Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura) vorgesehen, und weitere werden folgen. Die Verantwortung für den operativen Start der nationalen Trägerschaft hat die im März 2015 gegründete Stiftung Swiss Innovation Park (siehe Box) inne, präsidiert von Ruedi Noser.

Bundesrätliche Unterstützung

Auf der politischen Ebene hat das Projekt noch einige Hürden zu nehmen, bevor es tatsächlich in die Umsetzung geht. Die Zeichen stehen allerdings gut: Der Bundesrat hat mit seiner Botschaft vom 6. März 2015 seine Unterstützung zugesagt und beantragt dem Parlament einen Rahmenkredit von 350 Millionen Franken. Mit diesem Grundstock kann die Stiftung Swiss Innovation Park Fremdkapital zu bevorzugten Konditionen aufnehmen, um damit Forschungsinfrastrukturen vorzufinanzieren. Zudem möchte der Bundesrat an den Standorten in Dübendorf und in Neuenburg eigenes Land im Baurecht abgeben – ohne allerdings auf die marktüblichen Zinsen zu verzichten. National- und Ständerat werden die Botschaft des Bundesrates noch in diesem Jahr behandeln.

Stiftung Swiss Innovation Park

Die Stiftung Swiss Innovation Park verantwortet die Errichtung und den Auf- und Ausbau des Schweizerischen Innovationsparks. Sie ist die Dachorganisation des Netzwerks von rechtlich selbstständigen Standorten des Schweizerischen Innovationsparks. Die Stiftung leistet einen Beitrag zur Ansiedlung von F&E-Zentren wissensbasierter, wertschöpfungsintensiver Unternehmen, Institutionen und Organisationen an den Standorten, unterstützt die Vernetzung und den Austausch unter den Standortträgern, bildet ein Scharnier zwischen Bund und Standortträgern und trägt zur internationalen Positionierung der Standorte bei.

Stifter sind der Verein Swiss Innovation Park, die Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren (VDK), der Kanton Zürich, die Association SIP West EPFL, der Kanton Aargau, der Verein SIP Nordwestschweiz sowie Swissmem und der Wirtschaftsdachverband economiesuisse.


«Fitte Unternehmungen sind gefragt»

Nationalrat Ruedi Noser ist der grosse Treiber des Innovationsparks und seit kurzem Präsident der neu gegründeten Stiftung Swiss Innovation Park. Im Interview bilanziert er den bisherigen Prozess, skizziert die nächsten Schritte und sagt, wo die swissT.net-Mitglieder vom Innovationspark profitieren können.

Die Schweiz rangiert in den internationalen Innovationsrankings ganz vorne. Wie kann uns der Schweizerische Innovationspark helfen, diese Position zu wahren und sogar zu verbessern?

Ruedi Noser: Ein ganz zentraler Faktor unseres Innovationserfolgs ist der hohe Anteil privater Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in unserem Land. Über 70 Prozent aller F&E-Investitionen in der Schweiz sind privater Natur! Hier setzt auch der Innovationspark an: Wir wollen vermehrt Möglichkeiten schaffen für privates F&E-Investment. Dies soll über die Ansiedlung von wertschöpfungsintensiven Firmen geschehen: grosse Forschungsabteilungen internationaler Konzerne und innovative KMU. In projekt- bzw. produkteorientierter Zusammenarbeit sollen Hochschul- und Industriepartner die Durchlaufzeiten von der Grundlagenforschung bis zu marktfähigen Produkten noch enger vernetzen und zeitlich verkürzen.

Sie haben die Idee eines Innovationsparks am Standort Dübendorf im Jahr 2006 auf das politische Parkett gebracht. Am 6. März 2015 hat der Bundesrat eine Botschaft ans Parlament überwiesen und damit ein deutliches und sehr konkretes Bekenntnis zum Schweizerischen Innovationspark gemacht. Welche Bilanz ziehen Sie über die letzten neun Jahre?

Es gab etliche Momente, wo nicht klar war, ob es wirklich klappen könnte – nun weiss ich, dass alles möglich ist, wenn man mit vereinten Kräften in die gleiche Richtung zieht und das Ziel nie aus den Augen verliert. Das macht mich stolz. Die gesetzlichen Grundlagen liegen seit 2012 vor, die Botschaft nun seit 2015. Aktuell stehen wir mitten in der parlamentarischen Beratung. Wichtiger als der Rückblick ist aber die Zukunft. Die wirkliche Arbeit beginnt erst noch.

Der politische Weg führt, Sie haben es angesprochen, nun noch durch den National- und den Ständerat, die beide ihre Zustimmung zur bundesrätlichen Botschaft geben müssen. Kann da noch etwas schiefgehen?

Politische Geschäfte sind erst mit der Schlussabstimmung beider Räte entschieden. Vorher kann alles passieren. Ein erster Erfolg ist aber die Tatsache, dass die vorberatende nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) der Botschaft bereits mit grosser Mehrheit zugestimmt hat. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Sie sind Präsident der kürzlich gegründeten Stiftung Swiss Innovation Park – der nationalen Trägerschaft des Schweizerischen Innovationsparks. Sie haben die Aufgabe, den operativen Start des Schweizerischen Innovationsparks per 1.1.2016 sicherzustellen. Was bedeutet das konkret?

Ich habe selten eine derart vielfältige und gleichzeitig komplexe Aufgabenliste gesehen wie aktuell mit der Stiftung Swiss Innovation Park. Es gilt sowohl die strategischen Leitlinien als auch die operative Umsetzung voranzutreiben, der Stiftung ein Gesicht zu geben, Stellen zu besetzen, juristische Verfahren korrekt abzuwickeln usw. Vieles ist ja neu und ohne konkretes Schweizer Vorbild – wir sprechen da von mehreren Dutzend Einzelprojekten und -prozessen, die eigentlich alle gleichzeitig ablaufen sollten. Die Herausforderung hierzu ist gross, der Gestaltungsfreiraum aber ebenso. Das gefällt mir, und meine Kollegen im Stiftungsrat und ich haben das Glück, auf ausgezeichnete Mitarbeitende zählen zu dürfen: in der Stiftung, bei den Kantonen, beim Bund und natürlich vor Ort bei den Standorten.

Wie muss man sich den Innovationspark bei laufendem Betrieb vorstellen? Was passiert dort genau?

Während es am MIT in Boston üblich ist, dass sich Universitätsinstitut und private Forschung auf dem Campus abwechseln, gibt es bei uns immer noch eine zu grosse Trennung zwischen den Hochschulen und der Privatwirtschaft. Gemeinsame Projekte sind schwierig zu realisieren. Hier kommt der Innovationspark zum Zuge. Auf dem reservierten baureifen Land soll es möglich sein, Private-Public-Projekte einfach und schnell realisieren zu können und damit auch eine engere Zusammenarbeit aufzubauen.

Das Swiss Technology Network – swissT.net ist die Dachorganisation der Sub-Branchen im Technologiesektor der Schweiz. Wie können unsere Mitglieder vom Schweizerischen Innovationspark profitieren?

Die Mitglieder des Swiss Technology Network können sich einerseits im Kerngeschäft des Swiss Innovation Parks eingeben, d.h. ihr Know-how in der Produkt- und/oder Prozessentwicklung einfliessen lassen. Anderseits sind beim Aufbau der vorerst vier Standorte verteilt über die Romandie, Nordwestschweiz und die Kantone Aargau und Zürich auch verschiedenste Leistungen von fitten Unternehmungen gefragt. Letztlich werden im Innovationspark auch hochqualifizierte Mitarbeitende wirken, die das Fachkräftepotenzial stärken werden.

Swiss Innovation Park - Ruedi Noser