Geschäftsstelle / Zentralvorstand


Das swissT.net im Gespräch mit dem Wirtschaftsminister

In den letzten Jahren baute das swissT.net gute Beziehungen zum Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung auf. Gleichzeitig zeigen die jeweiligen Departementsvorsteher auch grosses Interesse an der Lage unserer Branche und der Arbeit unseres Verbands. Aus diesem Grund lud Bundesrat Guy Parmelin als neuer Wirtschaftsminister swissT.net-Präsident René Brugger zum Gespräch nach Bern ein.

Am Tisch sassen zusammen mit Bundesrat Guy Parmelin auch Nathalie Goumaz, die Generalsekretärin des WBF und Cesare Ravara, Wirtschaftsberater im WBF.

Nach der Vorstellung des Swiss Technology Networks lag der Schwerpunkt des Gesprächs auf der Digitalisierung in der Industrie, zum Beispiel die Themenbereiche Initiative «Industrie 2025» (mit der Trägerschaft swissT.net, Swissmem und asut), die Entwicklung des Arbeitsmarkts vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Einsatz der Blockchain-Technologie in industriellen Wertschöpfungsketten.

Diskussionsschwerpunkt Digitalisierung

Vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitnehmenden und den Arbeitsmarkt gaben Anlass zu einer vertieften Diskussion. Bezogen auf die verarbeitende Industrie haben wir einen Blick in die vergangenen Jahrzehnte geworfen, in denen die Steigerung der Produktivität vor allem durch die Automatisierung einen erheblichen strukturellen Wandel anschob. Der Arbeitsmarkt verlagerte sich zunehmend vom Industrie- in den Dienstleistungssektor, ohne dass sich dabei der Gesamtanteil der arbeitenden Bevölkerung verringert hätte.

Mit Blick in die Zukunft wurden aber auch die speziellen Effekte der Digitalisierung angesprochen: In der Industrie sind Informationen und Daten zu einer entscheidenden Grundlage für die Geschäftstätigkeit, zu neuen Services und Einkommensquellen der Unternehmen geworden. Doch Daten, auf die praktisch von jedem Punkt der Erde aus zugegriffen werden kann, machen die Wertschöpfung unabhängig von Landesgrenzen; datenbasierte Services können leicht von überall aus geleistet werden. Damit stellt sich auch die Frage, wo die Wertschöpfung für Schweizer Produkte erbracht werden kann: In Zukunft dürfte sie nicht mehr vollumfänglich in unsere Volkswirtschaft zurückfliessen.

Produktivitätssteigerungen: tiefere Preise und damit höhere Nachfrage

Ein weiteres Thema war die Produktivitätssteigerung aufgrund der Digitalisierung, die auch zu tieferen Preisen führt. Diese Entwicklung kurbelt die Märkte an; der entsprechende Mehrbedarf an Arbeitskräften wirkt stabilisierend. Letztlich spielt es aber eine grosse Rolle, wo die Unternehmen das erarbeitete Kapital investieren: Arbeitsplätze entstehen in der Regel in der Weltregion, in der investiert wird. Diese Mechanik ist ein Abbild des komplexen Systems, in dem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen erheblichen Einfluss ausüben.

Bei diesem Thema entstand eine intensive Diskussion am Tisch; spürbar war nicht zuletzt auch die Sorge um die älteren Arbeitnehmenden infolge des Veränderungsdrucks, den die Digitalisierung mit sich bringt. Hier sind auch die Arbeitgebenden in der Pflicht, indem sie Massnahmen einleiten, um die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Angestellten möglichst lange zu erhalten.

Auch die derzeit wirtschaftlich sehr angespannte Lage bei den KMU in unseren Reihen wurde diskutiert, die generellen Herausforderungen der Weltwirtschaft wie auch die Auswirkungen des Einbruchs der Automobilbranche und die Entwicklung in der verarbeitenden Industrie, in der die Zeichen ebenfalls auf Sturm stehen. Wer ausserhalb dieser beiden Bereiche unterwegs ist, hat eine durchaus positivere Sicht auf die kommende Entwicklung.

Zukunftstechnologie Blockchain

Ein nächster Gesprächsschwerpunkt war der Einsatz der Blockchain-Technologie in industriellen Wertschöpfungsketten. Als Anschauungsobjekt haben die Kollegen vom RUZ eine Flasche Pinot Noir von Irene Grünenfelder vom Weingut Eichholz im schönen Herrschaftsdorf Jenins mit einem Chip versehen, den die Blockchain Trust Solutions AG mit einem Blockchain-basierten Echtheits-Zertifikat ausgestattet hat: Es gibt Auskunft über Jahrgang, Lagerung, Traube und Winzer. Ein Paradebeispiel für die KMU-Tauglichkeit der Blockchain-Technologie, das beim Bundesrat sehr gut ankam!

Alles in allem war der Besuch geprägt von viel Wertschätzung gegenüber unserem Verband und der Industrie. Ich freue mich auch für unsere Mitglieder. Denn das Treffen ist nicht zuletzt Ausdruck für die Relevanz unserer Branchen, und die Anerkennung ihrer Bedeutung kann durchaus auch die Moral im doch harten Tagesgeschäft etwas heben.

Kick-off Expert Groups

Mit den drei neu lancierten swissT.expert-Groups findet die Strategie zur Ergänzung der Sektionen eine konkrete Umsetzung und bietet zahlreiche Möglichkeiten der Partizipation. 

Aufgrund einer Themenumfrage bei den Verbandsmitgliedern sind die drei Themenbereiche «IIoT» «Mobility» und «Werkzeugmaschinen» lanciert worden. In den Kick-off-Meetings zu diesen drei Expertengruppen wurden unterschiedliche Ideen, Visionen und Ziele diskutiert und teilweise auch konkretisiert. Die heterogene Zusammensetzung der Gruppen bietet zahlreiche Chancen, kann aber, gerade in der Startphase, auch erschwerend sein.

Im ersten Meeting sollten die Erwartungen an die Experten-Gruppe diskutiert und abgestimmt werden. Als Output sollten das Team und die Themen definiert werden, «Deliverables» bestimmt und der daraus zu erwartende Nutzten für die Gruppenmitglieder herausgearbeitet werden.

Beispiel swissT.expert«Werkzeugmaschinen»

Hier übernehmen in der Startphase Balz Märki von Phoenix Contact in seiner Funktion als FB3-Leiter und Roland Steinemann den Lead. Klar ist aber, dass sich die Gruppe zukünftig in wichtigen Punkten selbst organisiert und von der Geschäftsstelle organisatorisch unterstütz wird.

Das Kick-off-Meeting liess das grosse Potential dieses Themas erahnen. Unter dem Topic «Set of Deliv­erables» wurden zahlreiche gute Ideen diskutiert und konkretisiert. Diese reichen von Ideen zu «Open-Innovation»-Projekten über «Cluster für Innovationen», einer sektionsüberspannenden Branchenstatistik oder auch der Bildung von Expertenteams, welche Endkunden als Anlaufstelle für Fragen zu Technologien zur Verfügung stehen, bis hin zur Idee, eine ganze Vortragsreihe zu Spezialthemen durchzuführen.

Der Nutzen für die Mitglieder der Expertengruppe wird sich aus der neu gewonnenen oder verbesserten Kommunikation mit den unterschiedlichen Endkunden und dem Know-how-Austausch mit anderen Experten, aber auch mit Hochschulen und anderen Bildungs- und Forschungsinstitutionen ergeben können. Als Mitglied einer swissT.net-Expertengruppe kann die Ansprache von potenziellen Kunden statt mit «ich will dir etwas verkaufen» deutlich neutraler und auf Fachthemen fokussiert und problemlösungsorientiert gestaltet werden. Da die Arbeit in dieser Expertengruppe stark auf einen Markt konzentriert sein wird und zahlreiche Schnittstellen aufweist, wird allgemein erwartet, dass dadurch auch frühzeitig Trends erkannt werden können.

So geht es, läuft alles nach Plan, weiter: In einer ersten Phase muss die Teilnehmerbasis noch ausgebaut werden. Zwar sind bereits einige wichtige Firmen und Persönlichkeiten mit dabei, aber in Anbetracht der Bedeutung als Absatzmarkt, den dieses Marktsegment für die Mitglieder des swissT.net, insbesondere des Fachbereichs Industrieautomation hat, müssen noch weitere Gruppenmitglieder identifiziert und motiviert werden. Danach müssen verbindliche Ziele und Aufgaben vereinbart und die Leitung der Experten-Gruppe von einem (oder mehreren) Unternehmensvertretern übernommen werden. Dann sollen parallel Inhalte erarbeitet und die Kommunikation und das Netzwerk in die Absatzmärkte und die Industrie der Expertengruppe aufgebaut werden. Unser Ziel ist es, bis spätestens Ende 2020 erste der genannten «Set of Deliverables» umgesetzt zu haben.

Zum Status, den Zielen und Möglichkeiten, auch jetzt noch beizutreten, geben die Leiter der Expertengruppen gerne Auskunft.

 

swissT.Expert «Mobility»

Ralf Künzli
Kelag-Künzli AG
ralf.kuenzli@kelag.ch


swissT.Expert «IoT»

Andrea Tinner
Computer Controls AG
andrea.tinner@ccontrols.ch


swissT.Expert «Werkzeugmaschinen»

Balz Märki
Phoenix Contact AG
bmaerki@phoenixcontact.com