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Anhaltend starker Franken fordert Technologiebranche

Eine Verbandsumfrage des swissT.net illustriert, dass das Thema Frankenstärke die Zulieferer der Elektrotechnik zum Teil hart trifft. Massnahmen reichen von Einstellungsstopps bis hin zur Senkung der Verkaufspreise.

Ende März 2015 konnte das swissT.net die Resultate der Umfrage «Starker Franken und Politspiegel» analysieren, an der 144 Führungspersonen der Mitgliedfirmen teilgenommen hatten. Die Interpretation der erhaltenen Daten zeigt, dass die Anbieter in der Elektronik, Elektrotechnik, Verkehrstechnik und Automation vom starken Franken direkt betroffen sind. Für die meisten von ihnen haben sich die Befürchtungen bestätigt: Über die Hälfte der Firmen erwartet einen Gewinneinbruch.
Während kleinere Unternehmen ihr Geschäft flexibler anpassen können, sehen sich mittlere und grössere Firmen gezwungen, drastische Massnahmen anzuwenden. Für viele heisst es, die Verkaufspreise zu senken oder sie laufend dem Frankenkurs anzupassen. 50% der Unternehmen bieten den Euro auch für Verkäufe im Inland an. Diese verringerte Wertschöpfung führt auch zu Konsequenzen im Personalwesen: 39% der Firmen in der Technologiebranche verhängten einen Einstellungsstopp, einige sehen sich ausserstande, im laufenden Jahr Lohnerhöhungen zu gewähren. Bei 13% fanden bereits Entlassungen, bei 7% Lohnkürzungen statt. Jedes zehnte Unternehmen gab an, andere Leistungen an die Mitarbeitenden zu kürzen.

Geschäftsstelle / Zentralvorstand - Umfrage Massnahmen

Schwierige Lage als Chance nutzen

Vereinzelt sind aber auch optimistische Stimmen zu vernehmen. So versuchen einige Anbieter ihre Chance zu nutzen, um Kaufkraftparität zu erlangen. Ihr Ziel ist es, Kosten ebenso wie Preise auf einem tieferen, europaverträglichen Level einzustellen. Sie wollen die Herausforderung annehmen, gemeinsam mit ihrer Kundschaft das Beste für den Standort Schweiz zu erreichen. Um dies zu erreichen sei es wichtig, dass weitere administrative Hürden oder Steuerbelastungen für Unternehmen, die in der Schweiz produzieren und Wertschöpfung erzielen, gering gehalten werden. Demnach gaben 75% der befragten Führungspersonen an, zur eidgenössischen Vorlage vom 8. März 2015 «Energie- statt Mehrwertsteuer» ihr Nein in die Urne gelegt zu haben. Aus der Umfrage geht auch hervor, was sich die Anbieter in der Technologiebranche von der Politik erhoffen: gute Rahmenbedingungen zu schaffen und die Zollbestimmungen zu lockern. Viele fordern, dass Parallelimporte ermöglicht werden. Der Politik fehle es an Einsicht, dass der Export massgebend den Wohlstand beeinflusse. Deshalb sollen griffige Massnahmen die Währungsspekulation mit dem Schweizer Franken beenden. Weiter sei es wichtig, dass konkrete Schritte unternommen würden, um eine Abwanderung von Fertigungsstellen ins Ausland zu verhindern.

Geschäftsstelle / Zentralvorstand - Umfrage Einfluss

Teil ins Ausland verlagert

Gemäss der Umfrage vom swissT.net haben bereits 12% der Firmen Teile ihrer Wertschöpfung ins Ausland verlagert, und 23% haben Lieferanten ausserhalb der Schweiz erschlossen. Die gesamte Branche zählt über 40000 Mitarbeitende und Auszubildende und gehört in einer zunehmend digitalisierten Welt zum Rückgrat der Schweizer Innovation. Alle Akteure der Industrie sind gefordert, mit Weitsicht die Zusammenarbeit der Technologiepartner in der Schweiz aufrechtzuerhalten und gemeinsam wirtschaftlich konkurrenzfähige Lösungen zu erarbeiten. Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Werkplatzes hängt an dieser Zusammenarbeit, die zum Fundament unserer Innovationsstärke gehört.


Wirtschaftsapéro mit Blick in die Zukunft

Am ersten Wirtschaftsapéro dieses Jahres erhielten die Teilnehmer einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt der Zukunft. Hochkarätige Referenten sprachen am Microsoft-Sitz in Wallisellen über Potenziale und Gefahren.

Digitale Arbeitswelten werden unser gewohntes Arbeitsumfeld entscheidend verändern, wenn nicht gar revolutionieren. Das war eine der vielen Erkenntnisse, die die eingeladenen swissT.net-Mitglieder vom Wirtschaftsapéro am 23. März 2015 mit nach Hause nahmen. Die Rolle des Gastgebers hatte Microsoft am Standort Wallisellen übernommen. Eindrücklich führte Lukas Gillioz im Namen des Software-Unternehmens in «Die neue Welt des Arbeitens» ein und zeigte auf, wie Microsoft an verschiedenen Standorten – darunter auch in Wallisellen – neue Konzepte und Arbeitsformen umgesetzt hat.
Das betraf sowohl die Ausgestaltung der Aufenthaltsräume, Begegnungszonen und Büros, wie auch die Prozesse und die Zusammenarbeit untereinander. Dass das Konzept für die Mitarbeitenden und die Führungsebene gleichermassen erfolgreich war, machte Gillioz deutlich: Messbare Ergebnisse seien etwa weniger Ausfälle durch Krankheit, zufriedenere Mitarbeitende und gesteigerte Effizienz, aber auch Agilität, Kreativität und die Zusammenarbeit seien verbessert worden.

Geschäftsstelle / Zentralvorstand - Wirtschaftsapéro
Gut besuchter Wirtschaftsapéro: Die Teilnehmer erhielten eindrückliche Erkenntnisse über neue Formen der Zusammenarbeit.

Auf dem Weg zu «Zero E-Mail»

In einem weiteren Referat zeigte Zoltan Szekelyöldi von Atos auf, wie das IT-Dienstleistungsunternehmen mit fast 100 000 Mitarbeitenden die den Weg zu «Zero E-mail» schaffen will. Am 7. Februar 2011 hatte Konzernchef Thierry Breton die Umstellung ausgerufen – und seither wird an der Umsetzung gearbeitet. Die Gründe sind nachvollziehbar: E-Mails fressen zu viel Zeit und Aufmerksamkeit zum falschen Zeitpunkt. Atos versteht denn auch die «Zero E-Mail»-Strategie nicht einfach als Kampf gegen E-Mails, sondern viel mehr als Business-Transformation-Programm. Die Anzahl der internen E-Mails wurde bisher um 70 Prozent reduziert, und in den Bereichen «Collaboration», «Productivity», «Employee Satisfaction» und «Innovation» sind klare Verbesserungen festgestellt worden. Die Zukunft wird zeigen, ob dem E-Mail der gleiche Weg ins Museum droht, wie er dem Morsen, dem Telex oder dem Modem beschieden war.

Ausgewogenes Verhältnis von Menschen und Maschinen

Neben den enthusiastischen Stimmen kamen aber auch mahnende zu Wort: Dr. Joël Luc Cachelin von der wissensfabrik.ch hob symbolisch den Mahnfinger und legte ein besonderes Augenmerk auf die Gefahren der digitalen Arbeitswelten. Damit die Umstellung hin zur komplett digitalen Arbeitsumgebung zum Erfolg wird, empfiehlt er, fünf Handlungsfeldern verstärkte Beachtung zu schenken: Es braucht eine klar erkennbare Strategie, das richtige Verhältnis von Menschen und Maschinen ist zu finden, das Design ist anzupassen, die digitale Diversität sicherzustellen, und es braucht eine Veränderung von einer Push- zu einer Pull-Leadership.

Geschäftsstelle / Zentralvorstand - Wirtschaftsapéro
Am abschliessenden Apéro standen die Referenten für individuelle Fragen zur Verfügung: Lukas Gillioz von Microsoft (Mitte).

Chance zur Steigerung der Effizienz

Wie zu erwarten war, blieben nach den interessanten Referaten zahlreiche Fragen offen, die während dem Apéro untereinander und mit den anwesenden Referenten ausführlich diskutiert wurden. Die meisten Teilnehmer teilten die Ansicht von swissT.net-Präsident René Brugger, die er in seiner Einleitung zum Wirtschaftsapéro formuliert hatte: «Gerade im Hinblick auf den überbewerteten Franken können wir es uns nicht erlauben, das Potenzial zu Effizienzsteigerungen, das in den digitalen Arbeitswelten liegt, nicht zu nutzen.»


Jahrestagung 2015: Tipps im Umgang mit der Frankenstärke

Am Mittwoch, 10. Juni 2015, findet die 39. ordentliche Generalversammlung des swissT.net statt. Wie immer wird sie von einer Jahrestagung begleitet, an der dieses Jahr die aktuelle Währungssituation aus verschiedenen Perspektiven thematisiert wird.

Der SNB-Entscheid vom Januar überraschte: Umgehend und lautstark wurde von Verlagerung, Stellenabbau und Rezession gesprochen und geschrieben. Wenige Monate später sind diese Stimmen nur noch vereinzelt und leise zu vernehmen. Alles halb so schlimm? Oder eben doch nicht? Verändert sich die Schweizer Wirtschaft vielleicht dennoch in eine gefährliche Richtung, wie es im Januar prognostiziert worden war – aber langsamer, unauffälliger und dadurch weniger im Fokus der breiten Öffentlichkeit?

Unnötiges weglassen

Seit dem SNB-Entscheid, den Frankenwechselkurs nicht mehr bei 1,20 zu stützen, hat sich das Umfeld für zahlreiche Unternehmen drastisch verändert. Das Hoffen auf ein Wunder wird erfolglos bleiben, und die Arbeitszeit um zwei Stunden zu erhöhen, wird das Problem nicht lösen. Ein weiterer Lösungsansatz: alles weglassen, das keinen direkten Kundennutzen hat. Das sagt und schreibt sich leicht, aber denken Sie diesen Vorschlag zu Ende: kein Budget mehr erstellen (oder glauben Sie, ihre Kunden wollen das?), keine Mitarbeiter-Endjahresgespräche mehr (wo ist da der Kundennutzen?), und der Verkaufsleiter muss ja auch nicht zwingend deutsche Oberklasse fahren.

Realistische Wege und Chancen

An der Jahrestagung wollen wir den Teilnehmenden realistische Wege und Chancen aufzeigen, sich bestmöglich mit dem überbewerteten Schweizer Franken zu arrangieren, die Prozesseffizienz zu steigern und notwendige Veränderungen rasch und erfolgreich zu vollziehen.

Namhafte Referenten

Die Politik wird durch Ständerat Hannes Germann vertreten sein. Er ist Mitglied der WAK (Kommission für Wirtschaft und Abgaben) und präsidierte diese im Jahr 2013. Die Sichtweise eines Ökonomen vermittelt Claude Maurer von der Credit Suisse. Er ist dort als Senior Economist und als Head Swiss Macroeconomic Researches tätig und ein profunder Kenner der Schweizer Volkswirtschaft.
Alexander von Jarzebowski, CEO der Staufen AG, versteht sich als Lean Manager und wird auch anhand von Best-Practice-Beispielen aufzeigen, wie Managementprozesse neu gestaltet, gestrafft und optimiert werden können. Ausserdem gibt Volker Kiel, Dozent für Change Management am IAP der ZHAW, in einem Gespräch mit swissT.net-Präsident René Brugger den Anwesenden theoretische und praktische Ratschläge mit. Als besonderer Abschluss wird der Faden der letzten Jahrestagung wieder aufgenommen und berichtet, was aus dem Start-up Noonee geworden ist, das die Idee des «Chairless Chair» an der Tagung 2014 vorgestellt hat. Schon jetzt sei verraten: Mindestens einem Teilnehmer hat die Idee sehr gut gefallen.

Effiziente Kombination

Wie seit einigen Jahren üblich findet die Jahrestagung in Kombination mit der Generalversammlung des Verbands statt. An der GV berichten der Zentralvorstand und der Geschäftsführer in jeweils wenigen Minuten über ein ganzes Geschäftsjahr. Die Teilnehmenden erfahren, welche Projekte vorankamen, wo Erfolge erzielt wurden und woran aktuell gearbeitet wird. Ein direkteres und effizienteres Update über den Verband gibt es nicht, und in Kombination mit der Jahrestagung lohnt sich die Teilnahme gleich doppelt – sozusagen ein erster Schritt zur Effizienzsteigerung. Dass das Seminarhotel Bocken in Horgen, das auch bereits in den Vorjahren als Tagungsort diente, auch kulinarisch ein lohnenswertes Ziel ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.