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So reagieren swissT.net-Mitglieder auf die Währungssituation

Die Aufhebung des Mindestkurses stellt die Mitglieder des swissT.net vor neue Herausforderungen. Das inside hat nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen und welche Auswirkungen der starke Franken auf ihre Geschäfte hat.

Welche Auswirkungen hat die momentane Währungssituation auf Ihr Unternehmen?

Thomas Fischer: Bei der Simpex Electronic AG wird der Löwenanteil der Produkte in USD eingekauft, so dass sich die Preise auf gleichem Niveau befinden wie Mitte letzten Jahres. Die geplante Preiserhöhung für 2015 durch den gestiegenen USD-Kurs musste nicht umgesetzt werden, was für unsere Kunden positiv zu werten ist. Bei Produkten aus dem europäischen Raum werden die Preise natürlich den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Wir spüren den Druck der Kunden und probieren, ihnen entgegenzukommen, wo immer es geht. Zum Beispiel dadurch, dass Geschäfte, die bislang in CHF abgewickelt wurden, auf USD oder Euro umgestellt werden. Einen Bestellungs- oder Umsatzrückgang konnten wir in den vergangenen Wochen noch keinen verzeichnen, jedoch gehen wir davon aus, dass die Nachfrage tendenziell abnehmen wird. Der Margendruck hat durch den starken Franken nochmals massiv zugenommen und zwingt uns, die Kosten genau im Auge zu behalten.

Heinz Mäder: Der Währungsschock stellt Investitionen in den Werkplatz Schweiz in Frage, begünstigt aber gleichzeitig innovative Lösungen. Für unsere Kunden gilt es, den markanten Margenverlust wettzumachen und die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Dabei sind neue Denkansätze und schlanke Lösungen gefragt – vorab bei exportorientierten Unternehmen. Das ist gut für uns, denn RFID-unterstützte Fertigungs- und Logistikprozesse bieten kostengünstige und rasch umsetzbare Lösungen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit.

Balz Märki: Grundsätzlich sind wir in Sorge um den Werkplatz Schweiz, dass dieser langfristig erhalten bleibt und die Abwanderung aus der Schweiz nicht stattfindet. Die Sorgen unserer Kunden teilen wir. Generell spüren wir eine grosse Verunsicherung im Markt. Das äussert sich unter anderem darin, dass grössere Projekte nochmals neu bewertet werden und generell abgewartet wird, wie sich die Währungssituation einpendelt.

Ernesto Mitruccio: Die Währungssituation bringt auch uns Hersteller in eine angespannte Situation, denn die Forderungen der Kunden übersteigen meistens die reelle Aufwertung des Franken. Diese Forderungen werden getrieben durch Marktbegleiter und Medien, die meiner Meinung nach überreagiert haben. Viele wussten, dass die SNB den Euro nicht für die Ewigkeit stützen wird, und trotzdem haben sie es verpasst, adäquate Massnahmen zu treffen, um die Kosten den neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Aufgrund von zusätzlichen Rabatten wird unser Umsatz sinken und demzufolge auch der nominale Gewinn. Trotz allem bezahlen auch wir Hersteller unsere Löhne in Schweizer Franken.

Bruno Senn: Die Währungssituation hat dazu geführt, dass wir unser Lager und unser Eurokonto als Buchverlust abschreiben mussten. Sofern unsere Kunden 2015 den gleichen Bedarf haben, werden sich unser Umsatz und auch der Deckungsbeitrag um 10 bis 15 Prozent reduzieren.

Matthias Zschocke: Rund 90 Prozent der Aufträge wickeln wir in unserer Branche in den Originalwährungen ab, d.h. in Euro und USD. In diesem Zusammenhang sieht die Situation ja noch ganz gut aus. Da aber die Bilanz in Schweizer Franken geführt wird und auch die Hauptkosten (Löhne, Miete, Versicherungen etc.) in Schweizer Franken anfallen, schmerzt es empfindlich. Das bedeutet, dass man auf den Ausständen und dem Lager, das in Euro zu CHF 1.21 eingelagert wurde, einen Buch- bzw. Währungsverlust von mindestens 15 Prozent erzielt. Zudem hat sich der offene Auftragsbestand – in Schweizer Franken gesehen – auf einen Schlag auch um 15 Prozent verkleinert. Unsere Branche ist eindeutig gefordert!

Welche Massnahmen haben Sie wegen der Frankenstärke unternommen oder ins Auge gefasst?

Thomas Fischer: Simpex hat aktiv die Produktpreise aus dem EU-Raum angepasst oder ist an der Umsetzung. Zudem werden die bestehenden Kunden, die in Schweizer Franken fakturiert werden, aktiv angegangen, und es wird überprüft, ob auf Euro oder USD gewechselt werden kann. So können wir die Preise tiefer kalkulieren, ohne dass für das Währungsrisiko etwas eingerechnet werden muss. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit den Originalwährungen und sind der Meinung, dass dies der beste Weg ist, um unseren Kunden den bestmöglichen Preis anzubieten.

Heinz Mäder: Als aufstrebendes Kleinunternehmen orientieren wir uns primär an den sich bietenden Chancen. Wir haben uns organisatorisch neu aufgestellt und werden uns in diesem Frühjahr personell verstärken.

Balz Märki: Kurz nach dem Kurssturz des Euro haben wir für alle unsere Kunden, die in Schweizer Franken bei uns einkaufen, einen Währungsausgleich auf alle Produkte eingeführt. Damit geben wir unseren Einkaufsvorteil 1:1 an unsere Kunden weiter. Wir hoffen, mit unserem Währungsausgleich im Zeichen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Kunden eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erzielen und unseren Beitrag zur Stärkung des Werkplatzes in der Schweiz zu leisten.

Ernesto Mitruccio: Wo immer es möglich ist, werden die Kunden auf Euro umgestellt.

Bruno Senn: Wir haben unser Werbebudget überarbeitet beziehungsweise gekürzt. Ausserdem werden zurzeit keine neuen Mitarbeiter eingestellt.

Matthias Zschocke: Die Massnahmen reichen von Personalstopp und Investitionsstopp über Kosteneinsparungsmassnahmen bis zu Prozessoptimierungen. Ausserdem erfolgen sämtliche neuen Angebote nur noch in den Originalwährungen oder werden mit einer Währungsklausel versehen. Das Lager wird zurückgefahren beziehungsweise reduziert, um das Währungsrisiko zu minimieren.