Bonmot heute

Das Entwicklungsmärchen eines Entwicklungslands

Es war einmal ein bitterarmes Entwicklungsland,das seine vielen Einwohner nur sehr unzureichend ernähren konnte. 90% galten als arm und mussten mit unter 1 $ pro Tag auskommen. Mit einigem Neid schaute man auf Länder wie Elfenbeinküste, Pakistan oder Kamerun, die sich mit einem doppelt so hohen BIP pro Kopf brüsten konnten. Deshalb verkündete die Regierung des armen Landes 1987 einen ehrgeizigen Plan: Innert drei Jahren sollte das Bruttoinlandsprodukt doppelt so hoch liegen wie 1980, und bis 2050 wollte man auf den Stand der Schwellenländer kommen.

Die reichen Länder konnten sich ein mitleidiges Lächeln nicht verkneifen: Das würde ja bedeuten, dass sich dieseHabenichtse ein grosses Stück vom globalen Wirtschaftskuchen abschneiden wollten! Gegen so eine Konkurrenz würde man schon einen Riegel zu schieben wissen.

Doch das arme Land strampelte – und investiertein Landwirtschaft, Bekleidungs- und sonstige Industrie. Das arme Land begann sogar, Autos zu bauen. «Billigkopien, wie alles, was von da kommt!», grinsten die Industrieländer und schwenkten die Resultate ungenügender Crashtests.

Das arme Land erreichte sein Wachstumsziel für 2000 schon 1995. 2005 lag das BIP pro Kopf mehr als doppeltso hoch wie das der Elfenbeinküste; 2015 lag dieser Vergleichswert bereits auf der Höhe des Schwellenlands Brasilien. Es war genug Geld vorhanden, um den Autohersteller Volvo auf- und sich bei Daimler Benz einzukaufen. Zudem war das Land längst zur globalen Nummer 1 in der Produktion von Stahl, Aluminium, Zement, Kunstfasern, Baumwolle, Strom, Getreide und Fleisch geworden.

«So kann es nicht weitergehen!», sagten sich die Machthaber des armen Landes und gaben ein neues Ziel vor:Statt bis 2050 ein Schwellenland zu werden, sollte es sich bis 2035 im Mittelfeld der grossen Industrienationen einreihen. Und bis 2049 will China als führende Industrienation an der Weltspitze stehen.

An der NZZ-Global-Konferenz vom 7. November 2018 gab das sachkundige Publikum die Antwort auf diese Entwicklung: In einer Abstimmung beschloss es mit erdrückender Mehrheit, der Westen müsse keine Angst haben vor dem Aufstieg Chinas.

 

Sein Wort in Gottes Ohr ...
Aber vielleicht sollte man sich          
doch vorsorglich warm anziehen!

 

Meint
Ihr Insider